3. – 4. Schuljahr

Michael Belz

Viel werfen, präzise werfen, weit werfen

Technische Wurfschulung mit dem Schweifball

Viele und vielfältige Wurferfahrungen sind unverzichtbar. Genauso wichtig aber ist die Ausbildung einer möglichst effektiven Technik. Dieser Beitrag zeigt, wie Kinder zunächst zielgenau werfen lernen und erst im letzten Schritt mit dem richtigen Anlaufrhythmus auch die gewünschte Weite erreichen.

Das leichtathletische Werfen wird in der Grundschule mitunter etwas stiefmütterlich behandelt, da es in der Regel mit erheblichem organisatorischem Aufwand verbunden ist: Vorbereitend müssen verschiedene Wurfgeräte in ausreichender Zahl zusammengetragen und Hallenwände mit Wurfzielen bestückt werden, und der Ablauf einer Wurfstunde muss gut durchüberlegt sein. Nicht selten scheut sich die Lehrkraft auch vor der zu erwartenden Unruhe und dem „gefühlten Chaos beim Werfen. Trotzdem lohnt es sich!
Methodische Überlegungen
Bei der Vermittlung elementarer Wurferfahrungen bietet sich eine methodische Leitlinie an, die Anfang der 90er-Jahre auf einem Schulsportkongress des Württembergischen Leichtathletikverbandes von Fred Eberle geprägt wurde: viel werfen präzise werfen weit werfen (vgl. Schiele et al. 1990).
Zunächst geht es darum, viele und möglichst auch vielfältige Wurferfahrungen zu sammeln. In dem dafür einleitend vorgesehenen Stundenteil können schon einmal 40 bis 60 Würfe zusammenkommen.
Im zweiten methodischen Schritt, dem „präzisen Werfen, geht es darum, ein möglichst effektives Wurfmuster auszubilden. Durch die Fokussierung auf ein in sinnvoller Höhe und Weite angebrachtes Ziel sollen die Kinder anfangs nicht mit möglichst viel Kraft werfen, sondern möglichst genau das Ziel treffen. So entsteht meist unbewusst das erwünschte Bemühen um eine möglichst gute feinmotorische Steuerung des Wurfes.
Erst im dritten Schritt wird nun auch der Krafteinsatz beim Werfen zugelassen. Der volle Krafteinsatz birgt mitunter die Gefahr, dass sich das vorher bereits vorhandene ordentlich ausgeprägte Bewegungsbild wieder deutlich verschlechtert. Trotzdem ist dieser letzte methodische Schritt wichtig, denn „gefühlt richtig werfen kann man erst, wenn der Wurfgegenstand auch tatsächlich weit fliegt.
Vorbereitung der Stunde
Im Vorfeld müssen ausreichend Wurfgegenstände gesammelt und in geeigneten Gefäßen (z.B. Stapelboxen oder Bananenkartons) bereitgestellt werden. Insbesondere die Schweifbälle sollten in Klassenstärke zur Verfügung stehen. Diese können sehr gut im Sachunterricht selbst hergestellt werden (s. Kasten ). Außerdem sollten für den Stundenteil „präzise Werfen noch ein paar Ziele an den Hallenwänden befestigt werden, z.B. Reifen oder Zeitungen an der Wand oder im Tor, laminierte Zahlen in einer Sprossenleiter, Zielscheiben oder Zeichnungen. Ebenso eignen sich „natürliche Ziele wie Querbahnen im Trennvorhang, Garagentore oder Querbalken im Mauerwerk.
Einstimmung mit der Wurfkiste
Für einen offenen Anfang eignet sich eine Wurfkiste mit traditionellen (Schlagball, Tennisball, kleiner Handball, Heuler, Schweifball, Tennisring, Frisbee, etc.) und unkonventionellen Wurfgegenständen (Schwamm, Quietscheball, Tischtennisball, Seilchen, Schaumstoffwürfel, Papierknäuel, Flummi, Schuh, Wurfsocke, etc.), mit denen (relativ) gefahrlos geworfen werden kann. Die Wurfkiste steht mitten in der Halle bzw. auf dem Rasen und jeder, der neu hinzukommt, darf sich einen Gegenstand herausnehmen und diesen ausprobieren.
Viel werfen mit Erkundungsauftrag
Für den einleitenden Stundenteil bekommen die Schülerinnen und Schüler folgenden Auftrag: Sie sollen im Tandem herausfinden, welcher Gegenstand sich am schwierigsten und welcher am einfachsten über eine größere Distanz dem Partner zuwerfen lässt, sodass dieser ihn gut fangen kann. Dazu probieren sie möglichst viele Gegenstände aus der Wurfkiste aus. Die beliebtesten Wurfgeräte sind in der Regel die Quietschebälle und die Heuler. Sollten einige Kinder diese gar nicht...

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