3. – 4. Schuljahr

Peter Weigel

Knotenpunkte des Kernwurfs

Die drei Phasen der Basisfertigkeit „Werfen

Dieser Beitrag beschreibt präzise die einzelnen Technikmerkmale des Kernwurfs. Nur wenn die Sportlehrkraft die Zusammenhänge der Knotenpunkte kennt, kann sie Kinder sinnvoll korrigieren und zielgerichtete Übungen vorschlagen.

Das Werfen zählt zu den motorischen Basisfertigkeiten, die jedes Kind im Laufe des Lebens erlernen sollte (vgl. Roth/ Roth 2009). Diese Bewegungstechnik ermöglicht Kindern die lebensweltlich bedeutsame Teilnahme an diversen Spielen, die jeweils charakteristische Bewegungsausführungen des Wurfes verlangen. Die zentralen Wurfbewegungen in den spezifischen Abläufen unterscheiden sich allerdings kaum (vgl. DLV 2011).
Im Folgenden werden die im „Kernwurf (synonym: Schlagwurf) vereinten zentralen Gemeinsamkeiten zahlreicher Wurfvarianten dargestellt und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die zweckmäßige Bewegungsausführung präzisiert. Die Technik des Kernwurfs umfasst sämtliche Körperteilbewegungen: Diese beginnt mit der Schrittstellung und endet, sobald das Wurfgerät die Hand verlässt und der Schwung im Oberkörper abgefangen wird (mod. n. Schott 2010).
Der einhändige Kernwurf entspricht einer Ganzkörperbewegung und gilt in der Sportwissenschaft nahezu idealtypisch als eine offene, azyklische Fertigkeit (vgl. Meinel/Schnabel 2018). Offene Fertigkeiten sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in unterschiedlichen Varianten existieren. Demnach gibt es nicht die eine richtige Ausführung (vgl. Wollny 2017) vielmehr muss der Wurf an die vorliegenden Bedingungen angepasst werden (z. B. an einen Gegenspieler). Azyklische Fertigkeiten werden einmalig ausgeführt (im Gegensatz zu sich wiederholenden Bewegungen) und sind innerhalb der Gesamtbeschreibung dreigeteilt (Vorbereitungs-, Haupt- und Endphase, vgl. Meinel/Schnabel 2018). Innerhalb dieser drei Phasen werden „Knotenpunkte der Teilbewegungen bestimmt, anhand derer die Gesamtbewegung beschrieben wird. Diese werden als Technikmerkmale verstanden (vgl. Schott 2010). Wenn ein Kind die einzelnen Knotenpunkte des Kernwurfs in der korrekten Reihenfolge und im richtigen zeitlichen Abstand zueinander ausführen kann, dann beherrscht es die Fertigkeit. Beide Eigenschaften Offenheit und Azyklizität bestimmen den Vermittlungsweg des Werfens.
Im Folgenden wird die basismotorische Fertigkeit des Kernwurfs beschrieben ausgehend von den Knotenpunkten innerhalb der drei Bewegungsphasen und deren Bedeutung für die Gesamtbewegung (s. auch Kasten). Lehrpersonen sollten im Vermittlungsprozess den Kernwurf nicht nur kindgemäß beschreiben können, sondern auch das Warum hinter den Knotenpunkten kennen und verstehen. Auf dieser Basis können sie sinnvolle Übungen vorschlagen und korrekte Verbesserungshinweise geben.
Knotenpunkte des Kernwurfs
Knotenpunkte des Kernwurfs
Vorbereitungsphase
  • Füße in kontralateraler Schrittstellung (Wurfarm rechts linkes Bein vorn)
  • Gewicht auf hinterem Bein
  • Aufdrehen des Oberkörpers zur Wurfarmseite (Bogenspannung)
  • Wurfarm locker strecken und in Verlängerung der Schulterachse nach hinten halten (auch den Ellenbogen)
  • einhändige Ballhaltung
  • Handfläche unter und Finger hinter dem Ball
Hauptphase
  • Gewicht verlagert sich auf vorderes Bein
  • rechte Hüfte dreht sich in Wurfrichtung (Hüfte bleibt dabei über gesamte Bewegungszeit gestreckt)
  • rechte Schulter folgt zeitlich versetzt
  • Oberarm verbleibt auf Schulterhöhe
  • Ellenbogen wird gebeugt
  • Wurfgerät wird kopfnah in Wurfrichtung geführt
  • peitschenartiger Beginn der Ellenbogenstreckung, sobald sich das Wurfgerät neben dem Kopf befindet
  • Finger berühren bis zuletzt das Wurfgerät
Endphase
  • Schritt mit hinterem Bein nach vorn oder Abdrehen (Abklappen) des Oberkörpers
(nach Schott 2010, S. 129)
Der Kernwurf
Die verschiedenen Körperteilbewegungen dienen aus physikalischer Perspektive zwei abhängigen Hauptzielen: die Erhöhung der Abwurfgeschwindigkeit bei maximalem Beschleunigungsweg (vgl. DLV 2011).
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