3. – 4. Schuljahr

Frank Bächle

Raufen, Ringen und Kämpfen

Das Wetteifern beim Raufen, Ringen und Kämpfen hat für viele Kinder einen hohen Aufforderungscharakter. Wichtig sind dabei klare Regeln und ein behutsamer, methodisch aufeinander aufbauender Zugang, denn nicht für alle Kinder ist es leicht, die körperliche Nähe zuzulassen.

In vielen Bildungsplänen von Grundschulen findet sich der Inhalt des Raufens, Ringens und Kämpfens wieder (Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg etc.). Zentral im Fokus sind dabei der Abbau von Berührungsängsten, ein regelgerechter und fairer Umgang miteinander sowie ein positives Erleben von Kräften und eine gegenseitige Rücksichtnahme.
Aspekte des Leistens
Die Kinder werden bei diesem Unterrichtsinhalt auf zwei Ebenen etwas leisten:
Körperlichkeit und Nähe spielen im Zweikampf eine große Rolle. Damit spielerisch gekämpft werden kann, müssen die Kinder leisten, diese Nähe zuzulassen.
Darüber hinaus leisten die Kinder, sich anzustrengen, Kräfte zu spüren und Kräfte aufzuwenden.
Aspekte des Wettkämpfens
Sich miteinander zu messen und zu vergleichen, hat im Zweikampf einen ursprünglichen Charakter. Das zeigt sich unter anderem darin, dass der Inhalt in der Schule einen sehr hohen Aufforderungscharakter besitzt. Die aufgeführten Unterrichtsbeispiele motivieren die Kinder in großem Maße zur Teilnahme. Aus dem spielerischen Zugang entwickelt sich im Zweikampf oft eine Wettkampfsituation, die in Gruppenkämpfen auch kooperativ sein kann. Die direkte und unmittelbare Rückmeldung über den Erfolg oder Nichterfolg besitzt dabei einen hohen Wert für die Kinder.
In den folgenden Beispielen wird ein sinnvoller Zugang zu diesem Themengebiet dargestellt. Damit kann dieser teilweise weniger bekannte Inhalt im Sportunterricht der Grundschule vereinfacht eingesetzt werden.
Voraussetzungen und Tipps für die Praxis
  • In der Grundschule sollte sich das Miteinander-und-gegeneinander-Kämpfen verstärkt auf rein spielerische Angebote beschränken. Die Verortung einer Vermittlung von Halte- und Angriffstechniken empfiehlt sich eher in der Sekundarstufe.
  • Informieren Sie nach Möglichkeit die Eltern der Kinder vor dem Einsatz dieses Inhaltes. Verweisen Sie auf die Verankerung im Bildungsplan Ihres Landes und den darin genannten positiven Wirkungen.
  • Die Kinder sollten lange Hosen und T-Shirts mit Ärmeln tragen. Weniger geeignet sind Kunststoffhosen, kurze Hosen und Trägershirts.
  • Sorgen Sie für ausreichend Mattenfläche. Sehr gut geeignet sind Ringer- und Judomatten (falls vorhanden), aber auch gewöhnliche Turnmatten. Weniger geeignet sind Bodenläufer und Weichbodenmatten, wenn sie als reine Kampffläche verwendet werden.
  • Bauen Sie eine stabile und einheitliche Mattenfläche auf. Sinnvollerweise werden die Matten an eine Wand angelegt, damit sie weniger schnell verrutschen.
Regeln
Damit das Miteinander-und-gegeneinander-Kämpfen gelingt, müssen Regeln und Rituale eingeführt, eingefordert und eingehalten werden. Sie helfen, den Rahmen so abzustecken, dass eine wertschätzende und auch verletzungsfreie Aktivität stattfinden kann. Bis auf die „Stopp-Regel (s. Kasten) werden nicht alle Regeln zu Beginn des Unterrichts eingeführt. Vielmehr ist es sinnvoll, die Regeln sinnhaft mit Inhalten zu verknüpfen. So werden einzelne Regeln erst zu einem Zeitpunkt eingeführt, wenn sie für die nächste Spielform benötigt werden. Zum Beispiel kann die Regel „Kitzeln verboten situationsabhängig eingeführt werden, wenn ein Kind bei einer Spielform anfängt, ein anderes Kind zu kitzeln. Regeln sollten nach Möglichkeit bildlich (oder schriftlich) auf einem Plakat festgehalten werden.
Regeln beim Raufen, Ringen und Kämpfen
Regeln beim Raufen, Ringen und Kämpfen
„Stopp-Regel
Die „Stopp-Regel ist die zentrale und wichtigste Regel beim Raufen, Ringen und Kämpfen in der Schule. Diese Regel muss sofort zu Beginn eingeführt werden.
  • Wenn die Lehrkraft „Stopp ruft, müssen alle Aktivitäten sofort eingestellt werden (und es sollte sofort Ruhe...

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