1. – 4. Schuljahr

Karolin Heckemeyer

Positive Zugänge zu Wettkampf und Leistung

Didaktisch-methodische Überlegungen

Wie kann Wettkämpfen und Leisten im Grundschulsportunterricht so inszeniert werden, dass Kinder zu einem lebenslangen, freudvollen Sporttreiben angeregt werden? Dieser Beitrag gibt orientierende Antworten auf diese Frage.

Leistung und Wettkampf sind zentrale „Sinnmuster des Sports (Güllich/Krüger 2013, S. 530). Ob auf spitzensportlichem Niveau oder in der Kreisliga, beim Kicken im Park oder Joggen im Wald Sporttreiben bedeutet, den eigenen Körper in Bewegung zu versetzen, mit ihm etwas zu leisten und sich dabei gegebenenfalls mit anderen zu vergleichen. Aus einer sportpädagogischen Perspektive sind Leistung und Wettkampf jedoch ambivalente Konstrukte. Denn das mit den Begriffen verbundene Gegeneinander, das Kämpfen um den Sieg und das Prinzip des Höher-schneller-stärker spiegeln zumindest auf den ersten Blick negativ behaftete Werte einer individualisierten und selektiven Leistungsgesellschaft wider (Ehni 2000, S. 278).
Wettkämpfen und Leisten im Sportunterricht
Wenngleich sich der Grundschulsport nicht allein am außerschulischen Sport orientiert, muss er sich zu diesem und den damit verbundenen Werten und Sinnmustern verhalten. Sportpädagoginnen und -pädagogen und Lehrpersonen sehen sich mit der Herausforderung konfrontiert, Kindern einen differenzierten Einblick in die sie umgebende Sport- und Bewegungskultur zu eröffnen und sie zur Teilhabe daran zu befähigen (Gogoll 2011). Trotz aller Ambivalenz gehören also das für den Sport spezifische Wettkämpfen und das Erproben und Erfahren körperlichen Leistens konstitutiv zum Sport- und Bewegungsunterricht.
Wettkämpfe reflektiert thematisieren
Bereits bei Kindern im Grundschulalter taucht der Wunsch auf, sich in sportlichen Wettbewerben zu messen. Das zeigt sich nicht nur in Bewegungs- und Ballspielen, in denen Teams gegeneinander antreten, sondern auch in Situationen, in denen Kinder nicht-kompetitive Bewegungsaufgaben in Wettbewerbe uminterpretieren; z.B. wenn ein Ball eine Hallenlänge gerollt werden soll und ein Kind am Ende laut verkündet „Erste/Erster zu sein. Der Sportpädagoge Horst Ehni (2000) plädiert dafür, das in solchen Momenten aufscheinende Interesse der Kinder an einem interindividuellen Sich-Messen ernst zu nehmen. Anstatt sportliches Leisten und Wettkämpfen auszublenden oder aus dem Sportunterricht „weg zu inszenieren, gelte es anzuerkennen, dass Kindern die Kernelemente des Sports nicht fremd sind (Ehni 2000, S. 288). Als produktiv erachtet Ehni (2000, S. 291) daher eine pädagogisch reflektierte und „aufklärerische Inszenierung von Wettkämpfen. Ziel derselben sei nicht eine am außerschulischen Wettkampfsport orientierte Thematisierung von Leistungsvergleichen, sondern das Erleben und Verstehen sportlicher Wettbewerbe „in ernster Zuwendung und heiterer Gelassenheit (ebd.).
Alle Lernenden involvieren
Kindern in diesem Sinne einen Zugang zum Thema Wettkämpfen und Leisten zu eröffnen, bedeutet, alle Lernenden zu involvieren (Ehni 2000, S. 291). So gilt es Bedingungen zu schaffen, die allen Kindern Momente des Gewinnens und Verlierens ermöglichen und die sie als „gleichwertige Wettkämpfer und Wettkämpferinnen in Erscheinung treten lassen (Krone et al. 2013, S. 11). Angesichts der z. T. großen Leistungsheterogenität in Schulklassen stellt dies häufig eine Herausforderung dar. Um dieser zu begegnen, schlagen Krone et al. (2013) vor, die Komponenten Glück und Kooperation in die didaktische Aufbereitung sportlicher Wettkämpfe zu integrieren (ebd., S. 11). In Wettbewerben, in denen auch Glück und Zufall über das eigene Abschneiden oder das des Teams entscheiden, lassen sich Erfolg und Misserfolg nicht allein auf motorisches Können zurückführen. Trotz evtl. deutlicher Leistungsunterschiede bleibt die Spannung im Wettkampf folglich erhalten und Erfahrungen des Verlierens und Gewinnens sind für alle Kinder möglich. Kooperative...

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