1. – 4. Schuljahr

Robert Collette

Fertigkeiten im Fokus

Ende letzten Jahres erschien eine Handreichung zu den Schwimm-Empfehlungen der KMK von 2017. Mit einem deutlichen Schwerpunkt auf den Grundfertigkeiten einigten sich die Beteiligten darin erstmals auf ein gemeinsames Konzept für schulisches und außerschulisches Schwimmen-Lernen ein erster Schritt zur Lösung der Nichtschwimmer-Problematik.

Um die Umsetzung der aktuellen Empfehlungen der KMK (2017) für den Schwimmunterricht in der Schule zu unterstützen, wurde im Dezember 2019 in Dresden eine Handreichung mit zugehörigem Handkarten-Set vorgestellt (DGUV 2019). Erstellt wurden beide Materialien von Vertretern der KMK, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) und des Bundesverbandes zur Förderung der Schwimmausbildung (BFS). Hervorzuheben ist die deutliche Fokussierung auf den Bereich der Grundfertigkeiten, der die essenzielle und unverzichtbare Basis für die nachfolgenden Bereiche des Erlernens der Schwimmtechniken bildet. Die vorgeschaltete Wassergewöhnung umfasst vielfältige Gelegenheiten, das Wasser freudvoll zu erleben, zu erfahren und wahrzunehmen (Aufenthalt, Stehen, Gehen, Schweben, Auftreiben mit und ohne Hilfsmittel, mit und gegen den Wasserwiderstand) und bildet die Voraussetzung für eine solide Aneignung der Grundfertigkeiten (DGUV 2019). Auf die inhaltliche, vor allem spielerische Ausgestaltung wird allerdings nur grundlegend eingegangen, was in anderen Publikationen sicherlich deutlicher und ausführlicher erfolgt (Literatur dazu: s. Downloadmaterial). Kernstück der Handreichung und des Handkarten-Sets sind die Grundfertigkeiten, die erstmals in die sieben Fertigkeiten Atmen, Tauchen, Springen, Drehen, Rollen, Gleiten und Fortbewegen aufgeteilt werden.
Innovativ ist die explizite Erweiterung um die Grundfertigkeiten Drehen und Rollen, die ebenso wie die anderen eine elementare Voraussetzung für die Schwimmtechniken sind. Die Grundfertigkeit Drehen (um die Körperlängsachse) ist insbes. für die Techniken Kraul und Rücken erforderlich, Rollen (um die Körperbreitenachse) für Brust und Schmetterling. Eine weitere Neuheit ist, dass das Schweben bzw. der Auftrieb als eher passive Tätigkeit bzw. als Erleben des Auftriebs in den Bereich der Wassergewöhnung verschoben wurde.
Bedeutsam ist vor allem, dass sich alle beteiligten Organisationen bzw. Verbände auf dieses Konzept der Grundfertigkeiten geeinigt haben, wodurch sich (erstmals) die Gelegenheit ergibt, dass die Schwimmausbildung in Deutschland in Schulen und Vereinen auf einer einheitlichen Grundkonzeption basiert. Unterstützt wird dies durch die weitere Festlegung, den Prozess des Schwimmen-Lernens in vier Niveaustufen zu differenzieren und die Deutsche Prüfungsordnung Schwimmen (DPO) dementsprechend anzupassen (BFS 2020). Die Niveaustufen „Wassergewöhnung und „Grundfertigkeiten (s. Abb. 1 ) entsprechen dabei dem Seepferdchen, das a) vorwiegend als Motivationsabzeichen und b) als ein Nachweis dafür, dass diese Kinder ohne gesonderten Betreuungsschlüssel im Tiefwasser unterrichtet werden können, dient. Die Stufe „Sicheres Schwimmen entspricht den Anforderungen an das Deutsche Schwimmabzeichen Bronze, mit dem eine umfassende sportlich-motorische Handlungskompetenz für den Bewegungsraum Wasser attestiert wird.
Die Anforderungen sind im Vergleich zur alten Prüfungsordnung vor allem im Bereich des Seepferdchens anspruchsvoller geworden (Veränderungen in Abb. 1 farblich hervorgehoben). Zudem sind laut der DPO alle Prüfungen ohne Hilfsmittel, also ohne Auftriebshilfen und ohne Schwimmbrillen, abzulegen (BFS 2020, S. 8). Um die Schülerinnen und Schüler darauf vorzubereiten, sollte auch in der Schwimmausbildung zumindest bis zur Basisstufe Schwimmen möglichst auf Schwimmbrillen verzichtet werden.
Die Handreichung und das Handkarten-Set eignen sich durchaus, Schwimmlehrkräfte zu unterstützen, auch wenn einige Punkte, etwa bzgl....

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