1. – 4. Schuljahr

Bernd Reinhoffer

Fächerverbindender Unterricht

Wenn fächerverbindender Unterricht gelingen soll, bedarf er einer didaktischen Grundlegung in der Kooperation zwischen den Fächern. Darüber hinaus müssen Lehrkräfte gut aus- und fortgebildet werden.

„Der Auftrag der Grundschule besteht darin, Kindern eine grundlegende schulische Bildung zu ermöglichen (KMK 2015, S. 9). Ausgangspunkt sind die Vielfalt der Gesellschaft und das individuelle Kind mit seinen bereits erworbenen fachlichen, methodischen, sozialen und personalen Kompetenzen. Und es braucht den Blick in die verschiedensten Richtungen, in die Kulturtechniken, in die Natur- und Sozialwissenschaften, in Ethik und Ästhetik usw., auch im Hinblick auf die Basierung der Fächerung der weiterführenden Schulen. Motivationen und Einstellungen, Interessen und Kompetenzen wollen erhalten und ausgebaut oder auch neu geweckt und konsolidiert werden. Aber eignet sich dafür dieses schillernde Mosaik der Fächerung?
Schulfächer als elementares Organisationsprinzip
Schulfächer sind ein elementares Organisationsprinzip der Institution Schule. Sie sind althergebracht, beharrlich und leisten einen je spezifischen und unverzichtbaren Bildungsbeitrag. Sie bieten systematischen Wissenserwerb mittels eines spiralcurricularen Aufbaus durch die Schuljahre, vermitteln die Breite und die Tiefe eines Faches und sichern vergleichbare Abschlüsse. Andererseits ebbt die Kritik am Stundenplandiktat v.a. der Sekundarstufe nicht ab: Ein autonomes Nebeneinander von Spezialgebieten und Spezialisten (Schubladendenken, „Fachidiotentum), eine sinnlose Addition von Fächern (thematische Unverbundenheit), abgekoppelt von der Lebenssituation der Schülerinnen und Schüler (Lebensferne), deren Interessen und (Handlungs-)Bedürfnisse vernachlässigt werden (Demotivation).
Seit die schulische Fächerung besteht, gibt es auch das Anliegen, den (Bildungs-)Sinn des Schulalltags sicher- bzw. wiederherzustellen. „Non scholae sed vitae discimus! „Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben!, lautet die Umkehrung des antiken Zitats von Seneca. Dieses Motto gehört seit Jahrzehnten zum Leitmotiv der mannigfaltigen Versuche, die Mängel der Fächerung zu mildern, zu kompensieren oder ganz aufzuheben. So zum Beispiel bei der Einführung der Grundschule als Schule der Demokratie, durch neue schulorganisatorische Modelle wie den Waldorfschulen oder dem Jena-Plan oder durch neue didaktische Konzepte wie die Didaktischen Netze.
Einführung der Grundschule: Orientierung am Kind
Als die Weimarer Demokratie vor über hundert Jahren die Grundschule ins Leben rief, stellte sie die Kinder in den Mittelpunkt. Die einseitige Orientierung am Kind führte aber zu einer Vernachlässigung fachlicher Ansprüche, wie z.B. auf dem Grundschulkongress von 1969 zurecht kritisiert wurde (Reinhoffer 2000). Auch im Hinblick auf den gegenwärtigen Sachunterricht warnt Schreier (1989) davor: Nur von den Fragen der Kinder auszugehen, hieße, eine „Trivialisierung des Sachunterrichts zu riskieren.
Der baden-württembergische Bildungsplan für die Grundschule (2004) versuchte, eine thematische Zentrierung des Schulunterrichts zu erreichen: Im Fächerverbund „Mensch, Natur und Kultur führte er die Fächer Sachunterricht, Kunst, Musik und Textiles Werken zusammen. Im Unterschied zu den reformpädagogischen Ansätzen arbeiteten aber die Lehrkräfte weder in gemischten Teams, noch brachten sie eine breit angelegte Ausbildung mit, noch wurden didaktische Konzepte bereitgestellt (Reinhoffer 2006). In der Folge mehrten sich die Klagen, fachfremd unterrichtende Lehrkräfte würden ganze Bereiche auslassen oder nur oberflächlich behandeln. Dieses bloße Zusammenschalten von Fächern ohne didaktische Konzeptionierung oder methodische Schulung der Lehrkräfte wurde mit dem Bildungsplan 2016 wieder aufgegeben.
Waldorfschulen und Jena-Plan-Schulen
Zu den schulorganisatorischen Lösungsversuchen zählt der Epochen- oder Hauptunterricht...

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