1. – 4. Schuljahr

Friederike Bayer | Christa Kleindienst-Cachay | Thomas Rottmann

Der Multiplikation auf die Sprünge helfen

Wer sechsmal drei Sprünge am Teppichfliesen-Zahlenstrahl macht und dann bei der 18 landet, für den wird die abstrakte Rechenaufgabe körperlich erfahrbar. Dieser Beitrag zeigt anhand von drei Spielideen, wie der Erwerb der Grundvorstellungen der Multiplikation sinnvoll mit motorischen Zielen des Sportunterrichts verknüpft werden kann.

Beim Lernen durch Bewegung wird, im Unterschied zum Lernen in Bewegung, die motorische Aktion nicht nur auf zeitlicher, sondern auch auf inhaltlicher Ebene mit dem Lerngegenstand verknüpft. Ziel dabei ist, das Verstehen durch die Einbindung mehrerer Lernkanäle zu vereinfachen (Beckmann/Riegel 2014). Ein Beispiel dafür ist etwa das Erlaufen von Strecken, um durch die eigene leibliche Erfahrung eine Vorstellung bestimmter Längenmaße zu entwickeln. Bewegung erhält so auch eine lernerschließende Funktion: Ein abstrakter Inhalt wird durch die Bewegung und die damit verbundene körperliche Reaktion leiblich erfahrbar (Bayer/Kleindienst-Cachay/Rottmann 2018).
Lernen durch Bewegung zur Förderung der Grundvorstellungen der Multiplikation
In der Mathematikdidaktik für die Grundschule stellen Handlungen den Ausgangspunkt für das Lernen dar. In der Regel wird diese Programmatik als feinmotorische Handlung an mathematikdidaktischem Arbeitsmaterial umgesetzt. Beim Lernen durch Bewegung, das hier gemeint ist, werden dagegen großmotorische Handlungen vollzogen. Dabei sind zwei Aspekte wichtig: Zum einen muss die motorische Handlung strukturell mit dem angestrebten mathematischen Inhalt übereinstimmen. Zum anderen gilt es, die Handlung sprachlich so zu begleiten und zu reflektieren, dass die Herausarbeitung des mathematischen Kerns der Handlung unterstützt wird (Schipper 2009).
Die im Folgenden vorgestellten Bewegungsspiele wurden in der Grundschule mehrfach praktisch erprobt.1 Sie zielen auf den Erwerb der Grundvorstellungen der Multiplikation als eine wiederholte Addition gleicher Summanden ab. Die Schulung dieser Vorstellung wird als Einstieg in die Thematik in zahlreichen didaktischen Standardwerken empfohlen.
1. Spiel: „Zahlenstrahlspiel
Ein Zahlenstrahl (s. Abb. 1 ) wird aus Teppichfliesen (ca. 10 cm x 15 cm) angefertigt, auf denen die Zahlen von 1 bis 20, das Wort „Start und das Symbol „…“ stehen. Die Fliesen liegen stets eine Kinderhandlänge auseinander.
Die Kinder arbeiten in Partnerarbeit: Kind A überlegt sich eine Multiplikationsaufgabe und springt gemäß dieser Aufgabe neben dem Zahlenstrahl bis zu der Fliese, die das Endergebnis darstellt. Kind B beobachtet den Sprung und beschreibt danach die beobachtete Handlung. Die Kinder tauschen sich darüber aus, welche Aufgabe beobachtet wurde bzw. gesprungen werden sollte (mögliche Verbalisierung: „Du bist/Ich bin y mal immer x weit gesprungen und am Ende auf Zahl z gelandet). Dann werden die Rollen gewechselt. Dabei gelten die folgenden fünf Regeln:
  • Die Kinder springen beidbeinig.
  • Sie springen neben und nicht auf den Teppichfliesen.
  • Der Startpunkt ist neben der „Start-Fliese.
  • Die Sprünge haben immer die gleiche Weite.
  • Die Fliesen, neben denen man landet, werden umgedreht.
Didaktischer Kommentar
Die körperliche Bewegung stimmt stukturell mit dem zeitlich-sukzessiven Aspekt der Multiplikation überein. Der Multiplikator zeigt sich in der Anzahl der Sprünge (hier: drei Sprünge) und der Multiplikand in der Sprungweite (immer sechs Fliesen weit). Das Produkt der Multiplikationsaufgabe zeigt sich an der am Ende erreichten Fliese (3 · 6 = 18), ebenso werden die Zwischenergebnisse auf dem Zahlenstrahl sichtbar (6, 12, 18). Der Unterschied zwischen Multiplikator und Multiplikand, deren sichere Differenzierung für den Erwerb von gefestigten Grundvorstellungen entscheidend ist (Gaidoschik 2015), wird durch die verschiedenartige Belastung durch die Sprünge körperlich erfahrbar.
Spielvarianten
  • Die Kinder springen die 2er-,...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen