1. – 4. Schuljahr

Swantje Scharenberg

Hoch hinaus mit Selbstwirksamkeit

Schwingende Ringe als Wagnis

Sich an Schaukelringen in die Lüfte schwingen das erfordert neben Haltekraft und koordinativen Fähigkeiten vor allem eines: den Mut, neue Sphären zu erobern und immer höher zu schwingen. Eine methodische Übungsreihe führt die Schülerinnen und Schüler behutsam an dieses ungewohnte, aber lohnenswerte Bewegungserlebnis heran.

Da hat Michael1, der Bundesliga-Turner, glänzende Augen bekommen an schwingenden Ringen hatte der Sportstudent noch nie geturnt, weder in der Schule noch im Kinderturnen! Die Übungen zur Gerätgewöhnung brauchte er nicht, er wollte vielmehr sofort erfahren, wie er sich immer höher in die Luft aufschwingen könnte und bekam das trotz seiner vielfältigen Bewegungserfahrung zunächst nicht im Selbstversuch hin.
Schwingende Ringe
Schwingende Ringe sind, physikalisch gesehen, ein Pendel mit zwei Umkehrpunkten. Genau in diesen Umkehrpunkten, am Ende des Vor- bzw. Rückschwungs, ist die Lage des Körpers im Raum am höchsten. Im Lotpunkt, direkt unter der Ringeaufhängung, ist die Bewegungsenergie maximal. Um möglichst hoch zu schwingen und die Bremswirkung von Aufhängung und Luftwiderstand auszutricksen, ist daher ein Kraftstoß am tiefsten Punkt nötig genau dort, wo der Körper bereits am meisten beschleunigt ist. Michael muss sich also seinen Schwung durch Kraftstöße vom Boden holen, die er am tiefsten Punkt (nahe des Lotpunktes) ausführt, möglichst ohne den Körper dabei abzubremsen. Belohnt wird er nun mit einem deutlichen Höhengewinn.
Schwingende Ringe sie werden übrigens in Abgrenzung zu den heutigen Wettkampfringen, den „stehenden Ringen, so bezeichnet lassen sich schon von kleinen Kinderhänden leicht umgreifen. Form und Material sowie die Aussicht auf eine neue Bewegungserfahrung lassen die Ringe für viele Kinder zur Attraktion werden.
An Ringen turnen vielfältig fördern
Ab der ersten Klasse kann an den Ringen geturnt werden. Dabei werden vor allem Raumerfahrung und andere koordinative Fähigkeiten, wie beispielsweise Rhythmusfähigkeit, Orientierungsfähigkeit und Differenzierungsfähigkeit, geschult. Neben der Haltekraft, positiv beeinflusst durch den Greifreflex, wird auch das Erleben von Selbstwirksamkeit motorisch eindrücklich gesteigert, da die Kinder durch richtige Technik mit Schwung belohnt werden und diesen auch kontrolliert abbremsen, sobald sie erkennen, dass sie „nicht mehr können.
Zusatzstationen für körperlich-sportliche Aktivität
Da meist nur zwei Paar Schaukelringe vorhanden sind, sollte die körperlich-sportliche Aktivität für alle Kinder durch parallel offerierte gefahrlose Bewegungsaufgaben gesteigert werden, z.B. mithilfe von selbsterklärenden Stationskarten. Achtung: Keinesfalls darf ein Ballspiel parallel zu den Ringen angeboten werden. Die Lehrkraft sollte sich stets an der Ringeanlage befinden, dabei aber die gesamte Turnhalle im Blick behalten und dies den Kindern gegenüber, die die Zusatzaufgaben absolvieren, auch durch den einen oder anderen Kommentar deutlich machen. Vor Beginn des Turnens an den Ringen sollten wichtige Regeln (s. Kasten) besprochen werden.
Schwingende Ringe im Unterricht: Regeln
  • Kinder, die gerade nicht an den Ringen turnen, befinden sich entweder an einer anderen Aktivstation oder stehen mit ausreichend Abstand neben dem Gerät.
  • Werden die Ringe von der Lehrkraft (ausschließlich von ihr und mit Blick zu den Ringen!) in der Höhe verstellt, befinden sich die Kinder an einer anderen Station oder stehen bzw. sitzen neben dem Gerät.
  • Der Griff an den Ringen ist so auszuführen, dass vier Finger von oben in den Holzring hineingreifen und der Daumen von unten den Griff sichert (s. Abb. 1 )
  • Das Schwingen endet für Anfängerinnen und Anfänger stets damit, dass die Bewegung durch Schleifenlassen der Füße auf dem Boden komplett abgebremst wird. Ein Abspringen ist in keinem Fall erlaubt.
  • Nach Benutzung dreht jedes Kind die Ringe leicht in der...

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