1. – 4. Schuljahr

Justus Kalthoff

Einfach mal fallen lassen?!

Fallen lernen mit einer Lerntheke

Richtig fallen zu können hilft, bei einem Sturz Verletzungen vorzubeugen daher ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern grundlegende Falltechniken beizubringen. Mittels einer Lerntheke erarbeiten sich die Kinder die einzelnen Elemente der Übungen Stück für Stück und in ihrem eigenen Tempo.

Anders als der Titel suggeriert, ist es alles andere als einfach, sicher und kontrolliert zu fallen. Aber das darf uns nicht davon abhalten, unseren Schülerinnen und Schülern diese wichtige Bewegungsfertigkeit zu vermitteln. Sowohl das Stürzen als auch das Wiederaufstehen gehören zu unserem individuellen Erfahrungsschatz und begleiten uns oftmals ein Leben lang.
Fallschule
Um diese Erfahrungen also Stürze in unterschiedlichen Bewegungssituationen besser bewältigen zu können, ist die Vermittlung der Fallschule angezeigt. Dabei ist „Stürzen als unabsichtliches Fallen zu verstehen, während unter „Fallen dagegen ein gekonntes Stürzen im Sinne der Verletzungsprävention verstanden wird. Die Fallschule begegnet dem Sturzrisiko dahingehend, dass bei einem Sturz durch korrekt ausgeführte Falltechniken Verletzungen verhindert bzw. minimiert werden. Die Übungen, die in diesem Artikel vorgestellt werden, bieten den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, selbstständig bzw. paarweise kontrolliert Wagnisse einzugehen. Neben der Variation der Fallhöhe (Wage ich es, aus dem Stand rückwärts zu fallen? Oder falle ich doch lieber aus der Hocke rückwärts?) kann auch der Untergrund variiert werden (Wage ich es, auf eine Turnmatte zu fallen? Oder möchte ich doch lieber auf einen Weichboden fallen?). Dabei steht die Übernahme von Verantwortung für sich selbst und bei Paarübungen für andere sowie das selbstständige Entscheiden für oder gegen ein Wagnis im Fokus des Kompetenzerwerbs.
Die hier vorgestellten Falltechniken entstammen dem asiatischen Kampfsport und orientieren sich vorrangig an der Sportart Judo. Grundsätzlich gilt dabei: Nur wiederholtes und variierendes Üben führt dazu, dass die Falltechniken in jeder relevanten Bewegungssituation spontan abgerufen werden können.
Grundlegende Falltechniken: rückwärts und seitwärts
Die Fallschule setzt sich aus mehreren Falltechniken zusammen. Grundlegend sind dabei das Fallen rückwärts (s. Abb. 1 – 4 ) und das Fallen seitwärts rechts und links. Darüber hinaus gibt es noch das Fallen vorwärts, die Judorolle und den Freien Fall. In diesem Artikel geht es aber nur um die zwei zuerst genannten grundlegenden Falltechniken. Dabei gelten die übergeordneten Prinzipien A-K-K-A1 (Deutscher Judo-Bund 2011), die bei jeder Ausführung einer Falltechnik beachtet werden müssen und gemeinsam mit der Lerngruppe erarbeitet werden können (s. Abb. 5 ):
  • Abgeschlagen wird immer mit nahezu gestreckten Armen und der Handinnenfläche in einem 30-Grad-Winkel neben dem Körper. Bei der Fallschule seitwärts wird nur mit einem Arm abgeschlagen. „Stelle dir vor, du bist ein Roboter, der ganz gerade Arme hat. Wenn ein Roboter mit seinen geraden Armen auf der Matte abschlägt, dann klatscht es sehr laut.
  • Der Kopf muss immer geschützt werden, deshalb wird das Kinn auf die Brust gelegt und die Halsmuskeln werden angespannt (s. Abb. 6 ): „Stelle dir vor, du klemmst zwischen Kinn und Brust einen Hundert-Euro-Schein ein, der auf keinen Fall runterfallen darf.
  • Körperspannung aufbauen, vor allem im Rumpf. Die angespannten Muskeln schützen einerseits den Körper und andererseits kann der Körper so zurückfedern und absorbiert entsprechend nicht die gesamte Bewegungsenergie des Sturzes. „Spanne beim Abschlagen alle deine Muskeln an und werde ganz fest wie ein Muskelmann oder eine Muskelfrau.
  • Das Ausatmen während des Fallens verhindert „ein Komprimieren der Atemluft und damit [wird] ein schmerzhafter Druck auf das Zwerchfell und die inneren Organe vermieden (Deutscher Judo-Bund 2011, S. 233). „Stelle dir vor, du bist ein...

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