1. – 4. Schuljahr

Pascale Lüthy

Berglandschaften in der Halle erklimmen

Differenzierungsangebote beim Klettern

Gerätearrangements zum Klettern sollten so gestaltet sein, dass sie auf unterschiedlichen Niveaustufen immer wieder neue herausfordernde Aufgaben bieten. An den hier vorgestellten Stationen klettern die Kinder in drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden wer schafft es auf die Bergspitze?

Klettern fasziniert Kinder seit jeher und vieles in der Natur regt dazu an, in die Höhe zu steigen. Kinder werden dabei körperlich, psychisch und sozial gefordert und gefördert. Muskelkraft spielt ebenso eine Rolle wie Wagnis, Überwindung von Angst, Erfolgserlebnisse oder das Miteinander beim Sichern (Kümin/Kümin/Lietha 1997).
Klettern im Unterricht: Hintergrundwissen und Vorübungen
Profis wie auch Kletteranfänger durchlaufen in ihrer Bewegung fünf Phasen (BASPO 2008):
1. Ruhe- oder Startphase
2. Visualisierung
3. Vorbereitungsphase
4. Zug-/Hubphase(n)
5. Endphase
Das Wissen darüber hilft der Lehrperson, Probleme von Kindern zu analysieren und dann zu entscheiden, wie der Lernprozess weitergehen soll.
3-Punkte-Regel, Körperschwerpunkt, Beinarbeit
Alle Kletternden sollten sich an die 3-Punkte-Regel halten, die besagt, dass immer drei Körperteile an der Wand sein müssen. Des Weiteren soll der Körperschwerpunkt möglichst nah am Klettergerät sein und die Hubarbeit wird mit den Beinen geleistet (van Bentem 2017).
Vertrauen aufbauen
Vertrauen in das Material, den Partner bzw. die Partnerin und in sich selbst ist beim Klettern zentral. In die Höhe klettern ist oft einfacher als wieder runterzuklettern. Das hängt auch damit zusammen, dass man beim Hinaufklettern nach oben schaut und dabei die Höhe vergessen kann. Beim Herunterklettern sieht man die Distanz zum Boden, was Angst auslösen kann. Deshalb ist es wichtig, Kindern schon früh beizubringen, dass zum Hoch- auch das Runtersteigen gehört. So gewinnen sie an Sicherheit und Vertrauen in sich selbst.
Fingerkraft trainieren
Vielen Kindern fehlt es beim Klettern weniger an Kraft in Armen oder Beinen, sondern in den Fingern. Diese können spielerisch (im Klassenzimmer) gekräftigt werden. Zum Beispiel kann über mit Reis, Bohnen, Mehl o.Ä. gefüllte Ballons ein zweiter Ballon gestülpt werden. Diese Ballons kneten die Kinder dann mit den Händen (s. Abb. 1 ). Je nach Füllung sind die Ballons unterschiedlich hart und die Schülerinnen und Schüler können nach ihren Bedürfnissen auswählen.
Knotenschule
Eine „Knotenschule (s. Abb. 2 und Downloadmaterial ) leistet einen Beitrag zum Vertrauen in das Material. Dabei geht es um Knoten, die auf Zug des Seiles zuziehen, also festhalten und in lockerem Seilzustand problemlos geöffnet werden können. Eine Knotenschule kann auch außerhalb des Sportunterrichts stattfinden. Dafür benötigen die Kinder eine Packschnur und gut nachvollziehbare Knotenvorlagen, z.B. für die recht zügig erlernbaren Spannknoten (Flaschenzug), Achterknoten, Mastwurf und den Samariterknoten.
Toprope-Klettern
Das Klettern mit dem Toprope hat einen besonderen Reiz, weil Kinder durch die Sicherung mehr wagen können (s. Abb. 3 ;das Seil ist oben in einer Umlenkung eingehängt). Als Alternative zum Klettergurt können dazu Materialien wie z.B. Wurfgummiringe, Spielbänder und Seile verwendet werden (s. Abb. 4 ). Auch hier ist wichtig, dass die Kinder Vertrauen in das Material gewinnen und sich beim Klettern sicher fühlen (Kümin 2016). Dazu können schon in Sitzhöhe einfache Übungen gemacht werden, die das Kind spüren lassen, dass es sicher getragen wird.
„Berglandschaften in der Sporthalle
Für das Klettern in der Sporthalle bieten sich in der Grundschule „Berglandschaften an: Diese Gerätearrangements werden in Kleingruppen oder mit der ganzen Klasse aufgebaut und können in Absprache mit dem Kollegium ggf. einen ganzen Vormittag lang stehen gelassen werden. So profitieren mehrere Klassen davon, und die Zeit für den Auf- und Abbau fällt teilweise weg. Beim Aufbau...

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