1. – 4. Schuljahr

Felix Burmeister

Abgetaucht!

Den Kopf angstfrei unter Wasser bringen

Eine fehlende oder missglückte Wassergewöhnung führt bei Kindern oft zu einer Angst, der Schwimmlehrkräfte mit viel Geduld und Verständnis begegnen müssen. Ein unbewusst-spielerischer Ansatz kann helfen, unsichere Kinder behutsam zu einem angstfreien Umgang mit Wasser zu führen.

Eine bekannte Situation in den ersten Stunden des Schwimmunterrichts in der Grundschule: Einzelne Kinder toben sofort wild im Wasser herum, andere aber nutzen die ersten Minuten der Spielzeit vor Unterrichtsbeginn nicht zum Hüpfen, Planschen, Spritzen, Tauchen. Sie zeigen deutliche Anzeichen von Hemmungen und Vermeidungsstrategien, die sich durch langsames Umziehen, Sitzen auf der obersten Stufe des Lehrschwimmbeckens, trockene Haare, Verbalisieren von Angst oder gar Tränen äußern. Die Kinder wirken unsicher, vorsichtig, zaghaft, angespannt, zurückhaltend und ängstlich.
Ursachen für die Angst vor Wasser
Die ersten Fragen, die sich stellen: Woran liegt es? Was ist bereits vorgefallen? Wie gehe ich als Lehrkraft damit um? Dabei ist es zunächst wichtig herauszufinden, welche Ursachen dieses Verhalten hat. Je nach Hintergrund liegt es an einer fehlenden oder einer missglückten Wassergewöhnung und Wasserbewältigung durch Eltern oder Schwimmlehrkräfte, denn jedes Kind bewertet die Situation aufgrund seiner Vorerfahrung individuell. Meist gehen diese Kinder, wenn überhaupt, nur ins bauch- bis brusttiefe Wasser und es ist schwer, sie in Spiele und Übungsformen einzubinden, um eine Wassersicherheit herzustellen und Schwimmtechniken zu vermitteln. Nun stellt sich aber die Frage: Welchen Nutzen hat ein Kind davon, den Kopf ins Wasser zu tauchen?
Allgemeine Wassersicherheit herstellen
Sicherlich kann dahingehend argumentiert werden, dass der Kopf für das Baden nicht unter Wasser muss. Aber der Auftrag der Schule und des Schwimmunterrichtes ist es nicht, Kindern einfach nur das Schwimmen zu vermitteln, sondern eine allgemeine Wassersicherheit herzustellen (MSW 2012, S.116).
Erst durch ein Abtauchen bzw. ein Ins-Wasser-Legen des Kopfes ergibt sich die Möglichkeit des Gleitens und ebenso eine verbesserte Wasserlage als Grundlage für jede Schwimmtechnik. Auch das Tauchen und Springen und somit der Zugang zu Qualifikationsnachweisen/Schwimmabzeichen ist ohne ein Untertauchen nicht möglich. Daher ist es auch im Rahmen der Partizipation am Schwimmunterricht und an Freizeitaktivitäten, die am Wasser stattfinden (z.B. Geburtstagsfeier im Schwimmbad, Freibadbesuche etc.) unerlässlich, einen angstfreien Zugang zur Bewegungswelt Wasser herzustellen.
Von der angstfreien Wassergewöhnung zur aktiven Wasserbewältigung
Prinzipiell muss vor der Wasserbewältigung eine Phase der Wassergewöhnung stehen. Die Phasen zur Erreichung einer Wassersicherheit wurden bereits von Robert Collette (2020) anschaulich dargestellt. Die Wasserbewältigung ist bei Collette durch den Begriff der „Grundfertigkeiten abgedeckt. Hiermit sind die Fertigkeiten Atmen, Tauchen, Springen, Drehen, Rollen, Gleiten und Fortbewegen gemeint, die dann erfolgreich zu lehren sind, wenn idealerweise ein frühzeitiger, angstfreier und positiver Umgang mit Wasser unter kindgerechter Anleitung und Unterstützung durch vertraute Bezugspersonen (Eltern/Großeltern) erfolgte. Meist wird dies durch alltägliche Handlungen wie Duschen, Baden oder Haarewaschen und Spielen, Planschen, Toben oder Rutschen bei Schwimmbadbesuchen erreicht, sodass das Gefühl von „Wasser im Gesicht, „Luftanhalten oder „Auspusten als normal empfunden wird (im schulischen Kontext auch als Hausaufgabe möglich). Ist dies nicht der Fall, zeigt sich das anfangs beschriebene Verhalten und gemeinsamer Schwimmunterricht ist daher nur schwer möglich.
Je nach Betreuungsschlüssel ergeben sich dann zwei mögliche Lernsituationen: entweder die Großgruppe mit ängstlichen und fortgeschrittenen Kinder zusammen oder eine Kleingruppe nur mit ängstlichen...

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