1. – 4. Schuljahr

Johannes Plotzki

Das Konzept „Draußenschule

Kinder in Bewegung bringen

Das regelmäßige Erleben von Natur über die Jahreszeiten hinweg, wie es das Konzept der Draußenschule vorsieht, bietet Kindern Erfahrungs- und Bewegungsmöglichkeiten, die über die in der Sporthalle oder dem Klassenzimmer deutlich hinausgehen.

Mit dem Begriff „Draußenschule ist eine Unterrichtsform gemeint, welche die Umsetzung von Lerninhalten außerhalb des Schulgebäudes legt. Dies geschieht in einer Regelmäßigkeit von wöchentlichen Unterrichtsgängen der Klassen zu lokalen Natur- und Kulturräumen innerhalb eines Schuljahres oder mehr. Angelehnt an die in den Bildungsplänen festgelegten Ziele werden dabei neben fachlichen auch überfachliche Inhalte und Kompetenzen verfolgt.
Für einige der Grundschulen im Raum Hamburg, die seit 2008 mit dieser Unterrichtsform arbeiten, ist die Draußenschule fester Bestandteil ihres Schulprogramms geworden. Dies stellt in solch verstetigter Form und Langfristigkeit ein Novum in der bundesdeutschen Schullandschaft dar.
In den Ländern Skandinaviens arbeiten Schulen bereits seit Beginn der 1990er-Jahre mit dem Konzept des Unterrichts unter freiem Himmel. Unter dem Namen „Uteskole in Norwegen bzw. „Udeskole in Dänemark hat sie sich als sogenannte Graswurzelbewegung verbreitet und findet mittlerweile an einer Vielzahl von Primarschulen regelmäßig statt. In Schweden hielt diese Art des außerschulischen Lernens unter dem Begriff „utomhus-pedagogik Einzug in zahlreiche Schulen (Gräfe/Bentsen 2015). In Deutschland führen mittlerweile auch Schulen an weiteren Orten regelmäßige Unterrichtsgänge nach draußen durch: manche von ihnen unter dem Begriff „Draußenschule, andere unter Namen wie z.B. „Draußen-Tag oder „Waldtag.
Bewegungsanlässe beim Daußenlernen
Die motorische Schulung, in der Regel dem Fach Sport vorbehalten, ist fester Bestandteil der Unterrichtsform Draußenschule. Dabei kann bereits der Gang zum Lernort draußen für weniger geübte Kinder eine sportliche Betätigung darstellen. Häufig bedeutet diese Strecke allein 20 bis 30 Minuten zusätzliche Fußwege pro Woche. Dazu kommen längere Strecken beim Besuch von kulturellen Lernorten oder weiter entfernten Biotopen wie Teich oder Wiese. Sind diese Wege frei von Verkehr, können sie dazu genutzt werden, den Kindern Koordinations- und motorische Aufgaben zu geben. Diese werden während des Gehens schweigend und unter Einhaltung von vorgegebenen Abständen zueinander durchgeführt. Das gleichzeitige Beachten mehrerer Aufgabenbereiche (Gehen, Schweigen, Abstand halten, Bewegungsübungen ausprobieren) schult die Koordination der Kinder.
Generell sorgt das Prinzip des Lernens mit allen Sinnen unter freiem Himmel für ständige Orts- und Positionswechsel am Lernort. Dazu kommt die häufige Einbeziehung von Lauf- und Koordinationsspielen, sei es zur Wissensvermittlung, als Element der Freispielzeit oder zum Aufwärmen an kalten Wintertagen. Ein älterer Baumbestand ermöglicht das Krabbeln unter und Springen über größere Äste sowie das Klettern auf und Springen von Bäumen.
Beispiele aus der Draußenschule
Der wöchentliche Gang nach draußen startet für die Klasse gemeinsam mit der Lehrkraft und einer externen umweltpädagogischen Honorarkraft im Klassenraum bzw. am Eingang der Schule. Von dort geht es zu Fuß zum nahe gelegenen Lernort draußen. Dies kann je nach Gegebenheit ein Wäldchen, ein Grünstreifen, ein Park oder eine Brachfläche sein. Es ist in der Regel immer derselbe Weg von maximal zehn bis 15 Minuten Dauer. Die Strecke selbst verändert sich im Laufe der Jahreszeiten, insbesondere auch ihre Beschaffenheit und Begehbarkeit. Kann es noch im März zu Glatteis kommen, beengen ihn im Sommer vielleicht lange Zweige. Im Spätherbst liegt Laub und große Pfützen zwingen zum Ausweichen oder laden zum Hineinhüpfen ein.
Am Lernort draußen angekommen, sitzen oder knien die Kinder im Kreis auf ihren mitgebrachten Sitzkissen am Boden. Während der Arbeitsphase...

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