1. – 4. Schuljahr

Ralf Laging | Matthias D. Witte

Draußensport

Sportunterricht im Freien

Der für den Sportunterricht scheinbar vorgegebene Rahmen der Sporthalle kann gerade auch im Hinblick auf eine erweiterte Kompetenzentwicklung von Kindern verlassen werden, um ihnen neue Bewegungsräume im Freien zu erschließen, in denen sie gezielte Bewegungsaufgaben selbstbestimmt umsetzen und reflektieren lernen.

Sportunterricht findet in der Regel in der Sporthalle oder auf dem Sportplatz, gelegentlich auch im Schwimmbad, statt. Das scheint gesetzt zu sein, alles andere würde quasi als Beschneidung der unterrichtlichen Möglichkeiten gewertet werden. Der Bedarf an einer angemessenen materiellen Ausstattung ist aus fachlicher Perspektive wohl kaum zu bestreiten. Deutlich wird dies immer dann, wenn es an Sportstätten vor allem für den Schwimmunterricht fehlt oder einzelne Sporthallen/-plätze mehrfach belegt werden und der Unterricht nur ungenügend seine Möglichkeiten ausschöpfen kann. In der Not verlassen dann Lehrkräfte den vorgeordneten Rahmen der Sportstätten und suchen im Außengelände der Schule oder an anderen Orten Bewegungsräume auf, die sie für ihren Unterricht nutzen. Hier findet Sportunterricht draußen statt aber mehr aus der Not geboren.
Nun lässt sich diese Not auch als Tugend fassen, ohne dabei den offensichtlichen Mangel an qualitativ ausreichender Ausstattung der Schulen mit Sportstätten kaschieren zu wollen. Zu fragen ist für den Sportunterricht insbesondere für die Grundschule und die ersten Jahrgänge der weiterführenden Sekundarschulen vielmehr auch, was Schülerinnen und Schüler beim Draußensport an Erfahrungsmöglichkeiten gewinnen können. Schon jetzt werden im Grundschulsport vielfach durch überschreitende Nutzungsvarianten alternative Bewegungs- und Spielmöglichkeiten geschaffen. Hier sind Spiel- und Bewegungsgeräte aus der Psychomotorik und Bewegungserziehung zur materialen Erfahrung im Sinne einer Bewegungsbaustelle (Miedzinski/Fischer 2014) zu nennen. Und dennoch bleiben auch diese Möglichkeiten für neue, sportübergreifende Erfahrungen begrenzt.
Draußensport in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen
Der Kinder- und Jugendsport hat im Kontext postmoderner Gesellschaften deutliche Veränderungen erfahren. Neben dem organisierten Vereinssport und dem kommerziellen Fitnesssport mit beständig hohen Teilnahmequoten werden in einem ebenfalls hohen Umfang Sport- und Bewegungsaktivitäten in informellen Settings wahrgenommen. Kinder und Jugendliche treiben mit Freunden, Familie oder alleine ihren Sport in Parks, Wäldern, auf Spiel- und Sportplätzen, in Grünanlagen oder auf Straßen. Für den überwiegenden Teil aller Kinder und Jugendlichen gehören diese Bewegungspraktiken ganz selbstverständlich zum Alltag und zwar parallel zu ihrem Engagement im organisierten und kommerziellen Sport (Grgic/Züchner 2013). Draußen geht es z.B. um Ballspiele, Le Parkour, Balancieren auf Slacklines oder Aktivitäten auf Abenteuerplätzen. Andere Aktivitäten hingegen haben ihren Ort „draußen von Sportstätten, wie in Kletterhallen oder überdachten Räumen für Fitness- und Erlebnissport. Werden die Sportarten „draußen in einem informellen Kontext betrieben, gewinnen sie eine szenische Eigenwilligkeit durch Virtuosität und Stil, die sich in ihrer Sinnhaftigkeit vom klassischen Sport unterscheidet. Es geht also nicht allein um informelle Räume im Unterschied zum organisierten Sport, sondern um den Sport selbst, der mit dem Traditionellen bricht und durch andere Praktiken und Haltungen bei den Akteuren hervorragt; es geht um „informellen Sport, „bei dem der traditionelle Wettkampfgedanke nicht stilprägend ist (Bindel/Balz 2014, S. 3).
Auch die Schule bietet viele Gelegenheiten für den Draußensport. Schulhöfe sind heute vor allem in den Grundschulen deutlich bewegungsorientierter gestaltet als dies noch vor Jahren der Fall war. Die Konzepte der Bewegten Schule geben hierfür hinreichend Beispiele...

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