1. – 4. Schuljahr

Christian Scheinert | Marko Seeg

Alles eine Frage des Gleichgewichts

Draußen balancieren

Jüngere Kinder suchen sich, wenn sie draußen sind, ganz von selbst Gelegenheiten zum Balancieren. Findet der Sportunterricht im Freien statt, kann dieses Bedürfnis der Kinder genutzt werden, um ihnen den Bewegungsprozess des Balancierens zu vermitteln.

Nach Pott-Klindworth und Roscher (2009, S. 162) stellt sich im Balancieren das Bewegungsproblem, eine Position des Körpers entgegen der Einwirkung der Schwerkraft zu halten oder wiedereinzunehmen. Damit nicht jedes Bewegen als Balancieren gilt, sollte eine prinzipielle Unsicherheit über den Ausgang des Versuchs zum Ausbalancieren auf der Unterstützungsfläche gegeben sein, wodurch das Verhindern des Fallens oder Umkippens zum Ziel wird (vgl. ebd.).
Außerhalb der Sporthalle finden sich viele Unterstützungsflächen, die sich zum Balancieren anbieten. Auf dem Schulgelände, in Parks oder auf Spielplätzen finden wir Kanten, begehbare Mauern, Geländer, Wippen, Stämme und Balken oder Linien. Außerdem können Slacklines zwischen Bäumen (Baumschutz nicht vergessen) oder geeigneten Säulen und Pfosten mit entsprechender Bodenverankerung und Stabilität angebracht werden (zur Sicherheitsdiskussion: s. Bächle/Hepp 2010, S. 112 – 118). Die verschiedenen Unterstützungsflächen können schmal, breit, starr, wackelig, federnd, schaukelnd, drehend, geneigt, hoch oder niedrig erscheinen. Für reizvolle Balanciergelegenheiten ist aber zu berücksichtigen, dass nicht die Außensicht für die gelingende Inszenierung entscheidend ist. Vielmehr ergeben sich die zu bearbeitenden Bewegungsprobleme „aus der Spannung zwischen physisch gegebenem Bewegungsanlass und dem Selbstvertrauen auf das eigene Bewegungskönnen (Maraun 1984, S.19) der Kinder.
Den Bewegungsprozess nachvollziehen
Unter dieser Perspektive lassen sich lohnenswerte Aufgaben zum Balancieren gut am Bewegungsprozess des Balancierens verdeutlichen: Aufsteigen, Sich-aus-der-Balance-Bringen, erstes Innehalten/Stehen, Balance-Wiedererlangen, Fortbewegung auf der Unterstützungsfläche durch ein dynamisches Verhältnis von Balance aufgeben und wiedererlangen, Absteigen.
Durch folgende Impulse kann dieser Prozess gestaltet werden und zu spezifischen, individuellen Balancierproblemen führen:
Aufsteigen und aus der Balance geraten
  • Steige in der Mitte auf
  • Steige an einem Ende deiner Wahl auf
  • Steige an einer Stelle deiner Wahl auf
  • Steige erst mit dem einen, dann mit dem anderen Fuß zuerst auf
  • Steige/springemit beiden Füßen gleichzeitig auf
Innehalten und die Balance wiedererlangen
  • Bleibe x Sekunden stehen
  • Komme nach kurzem Wippen oder Hüpfen auf der Stelle wieder ins Stehen
  • Gehe in die Hocke und richte dich wieder auf
Sich-Fortbewegen und dabei das dynamische Verhältnis von Balance aufgeben und wiedererlangen
  • Gehe x Schritte vorwärts/rückwärts
  • Mache weite/kurze Schritte
  • Mache möglichst wenige/viele Schritte bis zur anderen Seite
  • Sage vorher an, wie viele Schritte du zur anderen Seite benötigst
Absteigen und den Modus des Balancierens verlassen
  • Steige in der Mitte ab
  • Steige an einem Ende deiner Wahl ab
  • Steige erst mit dem einen, dann mit dem anderen Fuß zuerst ab
  • Steige/springe mit beiden Füßen gleichzeitig ab
Zusätzliche Spannungsmomente können wir darüber hinaus erzeugen, wenn eine Drehung vollzogen oder mit geschlossenen Augen balanciert werden soll (vgl. Schweihofen/Neumann 2003, S. 28). Auch das gemeinsame Balancieren auf oder über etwas kann reizvolle Balanceprobleme darstellen und zur Kooperation oder aber zum spielerischen Gegeneinander anregen (s. Spielbeispiele).
Wir trennen das Innehalten und das Fortbewegen auf der Unterstützungsfläche, geben aber keine Reihenfolge an, in der dies zu inszenieren ist. Für das Slacklinen empfehlen Bächle und Hepp (2010, S. 11) bspw. das „Gehen vor dem Stehen anzuregen. Für andere Balanciergelegenheiten, wie bspw. auf schmalen oder wackeligen Standflächen, kann aber...

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