1. – 4. Schuljahr

Holger Eick

Teams bilden mit dem Zwei-Felder-Verfahren

Eigenverantwortlich, chancengleich und wertschätzend für alle

In welchem Team man mitspielt, hat großen Einfluss auf die Gewinnchancen, das weiß jedes Kind. Das hier vorgestellte Verfahren ist eine gute Möglichkeit zur Einteilung von Teams, auch im inklusiven Unterricht.

Die Mannschaften waren total ungerecht! Wer kennt ihn nicht, diesen Ausspruch von genervten Kindern nach einem Sportspiel?! Es ist eine Tatsache, dass ein Spiel für alle Beteiligten nur dann Spaß macht, wenn die Chancen zu gewinnen, als ausgewogen empfunden werden. Es ist spannend, vorher nicht zu wissen, wer das Spiel gewinnt, der Ausgang ist ungewiss und nicht kalkulierbar.
Teameinteilung klassisch
Als Sportlehrkraft steht man oft vor diesem Dilemma: Man möchte ein faires und spannendes Spiel in der Klasse initiieren. Sofern die Teams per Zufallsbildung (Abzählen, Auslosung mittels Karten etc.) festgelegt werden, ist es sehr gut möglich, dass viele leistungsstärkere bzw. -schwächere Kinder in einer Gruppe zu finden sind und somit ein Ungleichgewicht gegeben ist.
Überlässt man den Kindern selbst die Team-Einteilung, sind sie häufig überfordert und Streitigkeiten vorprogrammiert. Dabei favorisieren die, die Vorerfahrungen in einem Fußballverein haben, das „Mannschaften-Wählen im klassischen Sinne: Zwei Kinder wählen abwechselnd je ein Kind aus der Klasse, welches zu ihrem Team gehören soll solange, bis kein Junge oder Mädchen mehr übrig ist, d.h. bis alle in einer der Mannschaften untergekommen sind. Es ist in sportpädagogischer Hinsicht völlig unbestritten, dass dieses Verfahren mit Rücksicht auf Leistungsschwächere abgelehnt werden muss: „Nicht oder nur widerwillig gewählt zu werden und zwar vor aller Augen! ist so demütigend, dass es für viele Kinder eine Qual ist, die ihnen den gesamten Sportunterricht verleiden kann. (Volkamer/Zimmer 2004, S. 143)
Teameinteilung fair und für alle gleich
Vor allem im inklusiven Sportunterricht, in dem die Unterschiede bezüglich motorischer Fertigkeiten und kognitiver Fähigkeiten bei den Kindern meist sehr groß sind, gibt es häufiger Probleme bei der Teambildung. Nicht alle Kinder können gleichermaßen konstruktiv am Spiel teilnehmen und sind deshalb in einem Team nicht unbedingt erwünscht. Selbstverständlich müssen dann Gespräche bezüglich Toleranz, Umgang mit Leistungsunterschieden und verhaltensdominantem Verhalten mit den Kindern geführt werden, um Bewusstseinsprozesse in Gang zu bringen und Lösungsansätze zu forcieren. Wichtig ist aber vor allem ein „Klima der Akzeptanz und Wertschätzung, in dem sie (die Inklusionskinder, Anm. d. Autors) das Gefühl haben, dazuzugehören, mitmachen zu können, , mittendrin und nicht nur dabei zu sein. (Zimmer 2015, S. 31) Nur so kann eine für alle zufriedenstellende Spiel- und Sportkultur aufgebaut werden.
Das Zwei-Felder-Verfahren
Beim Zwei-Felder-Verfahren (s. Kasten) übernehmen alle Kinder die Verantwortung für die Einteilung in gerechte Teams. In manchen Klassen muss es mehrere „Durchläufe geben, verbunden mit anschließenden Reflexionsgesprächen, um zwei Gruppen zu bilden, mit denen alle zufrieden sind. Nach etwas Übung und mit dem Aufbau eines gewissen Bewusstseins sind die Kinder bald in der Lage, sich zügig und selbstbestimmt in gerechte Teams einzuteilen sowohl im Sportunterricht wie auch in den Hofpausen.
Zwei-Felder-Verfahren zur Teambildung
Zwei-Felder-Verfahren zur Teambildung
Bei diesem Verfahren darf nicht gesprochen werden.
Alle Kinder sitzen in einer Reihe auf den Turnhallenbänken. Ein Junge oder Mädchen, das am äußersten Rand sitzt, beginnt. Es begibt sich in eines der beiden, noch leeren, Felder. Das nächste Kind entscheidet, ob es sich dem ersten Kind anschließt und in dasselbe Feld geht oder in das zunächst noch freie Feld. Anschließend ist das dritte Kind an der Reihe, solange, bis sich alle zugeordnet haben.
Es ist wichtig, im Vorfeld zu thematisieren,...

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