1. – 4. Schuljahr

Birgit Jeschonneck

Peer Gynt im Reich der Trolle

Entwicklung einer Tanzgestaltung

„In der Halle des Bergkönigs ist sicherlich das bekannteste Stück des norwegischen Komponisten Edvard Grieg. Nach ersten Zugängen über das „Kreative Schreiben wird eine tänzerische Gestaltung ganz nah an der Musik entwickelt.

Das Musikstück „In der Halle des Bergkönigs (1874 – 76) war ursprünglich Teil der Theatermusik Edvard Griegs zum Drama „Peer Gynt von Henrik Ibsen. Dort untermalt das Musikstück die Szene, in der Peer Gynt auf seinen Wanderungen in die Halle des Bergkönigs und der Trolle gerät. Diese sind zunächst ängstlich, werden dann aber immer übermütiger, am Ende umtanzen sie Peer Gynt. Nach zwei vergeblichen Fluchtversuchen gelingt es ihm, sich zu befreien.
Griegs Musik ist sehr mitreißend. Zwei musikalisch sehr ähnliche Themen werden ständig wiederholt, die sich im Tempo und in der Lautstärke stetig steigern (Haupthema):
Dank dieser kompositorischen Finesse überträgt sich die Assoziation einer drohenden und sich steigernden Gefahr sofort auf die Zuhörer. Diese sukzessive Steigerung von Angst und Bedrängnis (Peer Gynt) und von Zurückhaltung bis hin zur dreisten Aggressivität (Trolle) wird von Kindern schnell wahrgenommen und in Bewegung umgesetzt.
Musik verstehen durch „Kreatives Schreiben
Griegs Musik wirkt sehr assoziativ auf die zuhörenden Kinder und ist gut geeignet für die Klassenstufen 3 – 6. Die Kinder sind oft schon beim ersten Hören kaum zu bremsen, impulsiv-motorisch auf die Musik zu reagieren. In ihrem Kopf steigen innere Bilder (Assoziationen) auf. Nach dem ersten Hören der Musik wird über ihre Höreindrücke gesprochen, diese werden an der Tafel oder auf einem Plakat festgehalten. Außer Äußerungen zur Musik wie: „Die Musik wird immer schneller./ „Das ist immer dasselbe./„Es wird immer lauter! gibt es auch außermusikalische Anmerkungen, die innere Vorstellungen beschreiben: „Da ist einer auf der Jagd, er verfolgt einen Geparden und schleicht sich an./„Es ist ein Einbrecher, der schleicht durch ein Haus und am Schluss kommt die Polizei und verhaftet ihn./„Da rennt jemand weg.
Hört man die Musik danach noch einmal, sind die Kinder sehr motiviert, dazu zu erzählen. Der Arbeitsauftrag, eine Geschichte zu schreiben, die genau zu dieser Musik passt, wird meist gern angenommen. So setzen sich die Kinder schon bei der Entwicklung ihrer individuellen Vorstellungen, beim Schreiben und genauen Anpassen der Texte an die Musik, bei deren Präsentation und dem Feedback dazu sehr intensiv mit der Musik auseinander und lernen sie so sehr gut kennen (Jeschonneck 2018). Nicht nur der zaghafte Anfang und das furiose Ende, sondern auch die Übergange von langsamleisevorsichtig bis hin zu schnelllautungezügelt werden in Sprache gefasst. Dies hilft bei der späteren Tanzgestaltung. Danach wird den Kindern das Originalprogramm zu Griegs Musik erzählt, s. Material-Hinweis.
Szenisch-tänzerische Darstellung
Das Trollmärchen wird szenisch-tänzerisch dargestellt: Dabei agieren ein König, eine Prinzessin, Peer Gynt und viele Trolle (s. Abb. 1 ). Fast ohne Vorbereitung kann direkt losgetanzt werden, die Musik kennen die Kinder durch die schreibende Annäherung ja schon sehr gut, ihre Motivation ist jetzt: Loslegen und bewegen! Viele wollen natürlich Peer Gynt sein. Dazu sind zuvor doch noch einige Absprachen nötig. So cool diese Rolle auch sein mag, der Peer-Gynt-Darsteller muss besonders gegen Ende einiges aushalten. Es ist nicht für jedes Kind gut zu ertragen, in der Mitte einer tobenden Masse zu sitzen. Darum müssen die getroffenen Absprachen absolut zuverlässig von allen eingehalten werden: „Peer Gynt wird von den Trollen NICHT berührt! Zwicken und Kratzen darf nur angedeutet werden, das Bedrohliche wird getanzt nicht ausgelebt!
Szene 1 (Pantomime): Peer Gynt und der Bergkönig
Zu Beginn der Tanzgestaltung liegt der Schwerpunkt im Auftreten von Peer Gynt und in der pantomimischen Darstellung...

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