1. – 4. Schuljahr

Petra Plata | Maud Hietzge

Bewegungstheater

Das Bewegungstheater ist ein geeignetes Konzept für die kreative Auseinandersetzung mit dem Körper. Es entsteht aus der Schnittmenge zwischen Tanz-, Spiel- und Musikpädagogik und bietet Zugänge zu anderen Entwicklungsbereichen.

Das Bewegungstheater (s. Abb. 1 ) bietet Kindern eine ideale Möglichkeit, sich mittels elementarster Ausdrucksformen spielend, tanzend und musizierend zu erproben und sich kreativ mit ihrer Lebenswelt auseinanderzusetzen (ESK 2000). Kreative Bewegungserziehung bietet „vielerlei Ansatzpunkte zur Erprobung des eigenen Körpers hinsichtlich seiner Funktions- und Ausdrucksweisen, zur Erfahrung seiner Möglichkeiten und Grenzen (Fleischle-Braun 2012, S. 582) und es fokussiert auf kreative Bewegungserziehung.
„Was im Bewegungstheater geschieht, sind Aktionen, Vorgänge, Abläufe, direkt und unmittelbar. Das bedeutet den Einbruch der Vitalität in eine gleichgeschaltete und programmierte Welt, die gewöhnt ist, vorgegebene Erwartungen durch erkennbare Typen und Verhaltensmuster erfüllt zu sehen. (Schmolke 1976, S. 7)
Durch die aktive Auseinandersetzung mit Spiel, Tanz und Musik werden übergeordnete pädagogische Ideen angesprochen. Kinder erfinden, planen, entwerfen und realisieren eigenverantwortlich fiktive Ideen. Sie erfahren eigene Möglichkeiten und Grenzen, entwickeln kritisches Bewusstsein und soziales Verhalten durch den immanent wirksamen Gruppenprozess.
Kreative Bewegungsaufgaben
Kreativität lässt sich nicht „einfach so initiieren, auch nicht, indem man alles freigibt. Eine Dosierung der Offenheit in den Aufgabenstellungen ist erforderlich. Dafür stehen spezifische Bewegungsaufgaben zur Verfügung. Sie basieren auf einem gemeinsamen Bewegungsniveau der Kinder und ermöglichen allen die Lösung einer gestellten Aufgabe. Eine schrittweise Öffnung der Aufgaben erfolgt durch die Anregung individueller Lösungsmöglichkeiten. Dies kann in eine Improvisation münden (s. Abb. 2). Umgekehrt kann es sein, dass die Kinder bei der Aufgabenbearbeitung überfordert sind. Dann muss die Lehrkraft ihre Aufgabenstellung bündeln und zur geschlossenen Form zurückkehren.
Die häufigste Form der Aufgabenstellung im Sportunterricht ist die der Bewegungsanweisung. Für kreative Zielsetzungen muss daher eine Öffnung in Richtung Bewegungsaufgabe bzw. -anregung erfolgen (vgl. Neuber 2010, S. 499). Die Öffnung einer Bewegungsaufgabe könnte z.B. so aussehen:
  • „Stellt euch vor, ihr seid ein Blatt und werdet vom Herbstwind über ein Feld geblasen. Macht Geräusche dazu. Welche passen?
  • „Passt euch dabei an einen Partner an und löst euch wieder voneinander …“
  • „Ich spiele jetzt eine Musik vor. Hört genau hin und stellt euch einen ‚Blätterschwarm im Herbstwind vor. Wie könnte das zu dieser Musik aussehen?
Öffnung meint im Bewegungstheater also ganz klar nicht Beliebigkeit: Im Kind sollte etwas „aufgehen dürfen!
Aufgaben der Lehrkräfte im Bewegungstheater
Von Seiten der Lehrkraft setzt die Arbeit mit Bewegungstheater ein Einlassen voraus: Sie muss entdecken, (bewegt) mitvollziehen und nachdenken, wobei eine besondere Nähe zwischen ihr und den spielenden Kindern entsteht. Für Lehrkräfte bedeutet dies, in eine intensive, aktive Beschäftigung und fantasievolle Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Bewegungstheaters einzutreten. Diejenigen, die bislang wenig Erfahrung mit dieser Form der Bewegung hatten, sollten sich nicht nur auf die gedankliche Auseinandersetzung damit beschränken. Darstellen, Tanzen oder Musizieren setzen basale Eigen-Erfahrungen sowie ein körperliches Verständnis der anzuleitenden Prozesse voraus Weiterbildungen zu diesem Thema sind sicherlich hilfreich.
Die Möglichkeiten des Bewegungstheaters sind von besonderer Aktualität. Stubenhocker, Medienjunkies, Bewegungsmuffel würden unsere Welt nur noch sitzend bevölkern so hört man überall. Die Wirklichkeit ist differenzierter, Heranwachsende müssen sich auch hinsichtlich ihres Körpers...

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