1. – 4. Schuljahr

Nora Volmer-Berthele

Stress im Kindesalter

Bewegung und Sport können helfen

Stress ist ungesund und macht krank. Dies ist keine Neuigkeit aber wie kommt es bei Kindern zu Stress? Angebote zur Stressbewältigung und Achtsamkeit gibt es in großer Anzahl. Können auch Bewegung und Sport zum Stressabbau beitragen?

Unser Körper wurde darauf ausgerichtet, uns vor möglichen Gefahren zu schützen und diese zu überstehen. Stress ist nach Selye (1936) die Alarmbereitschaft des Körpers, sich auf eine erhöhte Leistungsbereitschaft einzustellen. Die Grundlagen der Stressreaktion wurden noch viel früher geschaffen, in einer Zeit, in welcher Gefahr für Leib und Leben abzuhalten waren. Heute stehen die Bedrohung des Selbstwerts oder die Angst des Versagens im Vordergrund eines Stresszustands.
Wie entsteht Stress?
Die Entwicklungsschritte, die Kinder in der Grundschulzeit zu bewältigen haben, sind von großen Herausforderungen geprägt: Neue Lernsituationen, Tests, längere Anforderungen an die Konzentration und soziale Vergleiche prägen ihren Alltag. Ergänzt wird dies um emotionale Entwicklungsschritte, wozu die Selbst- und Fremdreflexion sowie die zunehmende Emotionsregulation zählen. All diese Anforderungen stellen, neben anderen Reizen wie Kälte, Lärm und Verletzungen, sog. Stressoren dar.
Unabhängig von der konkreten Ursache gilt: Die Stressreaktion unseres Körpers verläuft stets nach demselben Muster: Wird ein Stressor im Gehirn registriert, werden dort verschiedene Bereiche aktiv. Im Mandelkern (Amygdala) werden psychische und physische Reaktionen auf stress- und angstauslösende Situationen gesteuert. Erscheint etwas potenziell gefährlich oder ist neuartig, werden dort Nervenzellen aktiviert. Betroffene sind wacher und aufmerksamer und ab einer bestimmten individuellen Schwelle werden Kampf- und Fluchtreaktionen in Gang gesetzt. Die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin beschleunigt den Herzschlag, der Blutdruck steigt und die Muskulatur spannt sich an. Blutzucker wird freigesetzt, um die Muskeln besser mit Energie zu versorgen. Ergänzend werden Hirnregionen aktiviert, um sich diese Situationen gut einprägen zu können. Bei erneutem Auftreten einer ähnlichen Situation soll so schneller und angemessen reagiert werden.
Abhängig von der subjektiven Einschätzung, ob die Herausforderung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln gemeistert werden kann, wird „Stress als positiv oder negativ wahrgenommen. Eine kontinuierliche Überforderung in der Schule oder hohe innerfamiliäre Erwartungen können Gründe für sog. Distress sein. Gelingt es, diese Herausforderung positiv zu interpretieren, erleben Menschen die Gesamtsituation als angenehm. Sie fühlen sich wohl und sind in der Lage, die Situation fokussierter anzugehen und besser zu bewältigen (Hascher 2004). Negativer Stress ist ein häufiges Problem in Schulen, dies zeigen Erhebungen zu Belastungssituationen von Kindern. Laut der Kindergesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts/Berlin (KIGGS, 2. Welle 20142017) macht sich jedes fünfte Kind zwischen 7 und 13 Jahren Sorgen, hat Ängste und/oder ein reduziertes Selbstvertrauen. Häufig sind chronische Kopfschmerzen, Schlafschwierigkeiten und Unruhe Folgen von Stress (Lohaus 2004). Während Mädchen sich eher zurückziehen und traurig auf Stress reagieren, zeigen sich Jungen eher aggressiv und reagieren destruktiv (Eschenbeck 2002).
Konstruktiver Umgang mit Stresssituationen
Die Gehirnforschung zeigt, dass eine gesteigerte körperliche Aktivität Entwicklungsprozesse im Gehirn fördert (Walk 2011). Eine Verbesserung der Lernleistungen und der emo-tionalen Entwicklung wurden nachgewiesen. Die dabei stattfindende Steigerung der Durchblutung des Gehirns unterstützt die Neubildung und Vernetzung von Nervenzellen und somit die Anpassungsfähigkeit des Gehirns an neue Anforderungen. Körperliche Aktivität fördert die Ausschüttung von Botenstoffen wie Serotonin und Dopamin, die als Glücks- und Belohnungshormone fungieren....

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