1. – 4. Schuljahr

Michael Krüger

Kinder und Corona

Es gibt Handlungsbedarf

Kinder und Jugendliche dürfen seit Wochen kaum an die frische Luft. Sie können keinen Sport in Vereinen treiben oder sich mit Freunden zum Spielen treffen. Dabei benötigen gerade auch sie die frische Luft und viel Bewegung, um gesund zu bleiben.

„Wir brauchen Luft und Sonne, Luft verdünnt die Viren und Sonne mit UV tötet sie. Aber bloß keine Ausgangssperre! Auf der Straße steckt man sich nicht an! Das ist ein Zitat der international renommierten Virologin Karin Mölling aus Zürich. Hände schüttelt sie seit 20 Jahren nicht mehr, sagte sie in einem Interview mit der Neuen Züricher Zeitung, weil dies nachweislich die Ansteckung mit Viren und Bakterien fördert. Aber von Ausgangssperre und Daheimbleiben hält sie nichts. Und schon gar nicht für Kinder und Jugendliche.
Unter den zahlreichen virologischen Expertinnen und Experten herrschen durchaus unterschiedliche Auffassungen sowohl zu den Fakten als auch zu deren Bewertung. Die einen halten den Coronavirus für einen zwar gefährlichen, aber durchaus beherrschbaren Grippevirus, wie viele andere eben auch. Die anderen vergleichen ihn mit Katastrophen wie Pest und Cholera und fordern drastische Maßnahmen. Ihnen ist die Politik gefolgt. In fast allen Ländern der reichen Welt wurde das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Leben massiv heruntergefahren ein Lockdown.
Es sind nicht nur die Einschränkungen der Grundrechte wie der Versammlungsfreiheit erfolgt, sondern auch das Sport- und Bewegungsleben ist zum Erliegen gekommen: Keine Bundesliga, keine Olympischen Spiele, keine Welt- und Europameisterschaften usw., vor allem aber keine Schule und kein Schulsport, kein organisierter Sport, kein Kinderturnen, kein Jugendfußball, sogar das Spiel von Freizeitkickerinnen und -kickern wurde von Ordnungskräften aufgelöst und bestraft.
Folgen der Krise für Kinder und Jugendliche
Der Karlsruher Sportpädagoge und Bewegungsforscher Alexander Woll hat in einem Interview im Deutschlandfunk auf die Folgen dieser Politik hingewiesen: Die ohnehin unter Bewegungsmangel, Übergewicht und unzureichender Fitness leidenden Kinder und Jugendlichen werden nun Zuhause vor Videospiele und Netflixserien ge- bzw. verbannt. Die seit Jahren bekannten und durch zahlreiche Studien belegten gesundheitlichen Probleme verstärken sich nachhaltig, so Woll. Aber das ist nur eine Folge der kinder-unfreundlichen Kontakt- und Sportverbotspolitik der versammelten Expertokratie. Aggressivität und Gewalt in den Familien nehmen zu. Kinder und Eltern rasten aus.
Betroffen sind vor allem die sog. bildungsfernen Schichten, die nicht wie die Politikerinnen und Politiker, die Expertinnen und Experten von ihren Häusern mit großen Gärten im Homeoffice Empfehlungen und Verbote aussprechen, sondern Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern, die in Wohnblocks in den Städten, häufig ohne Balkon, wohnen. Die öffentlichen Spielplätze sind abgesperrt (s. Abb. 1). Das Spielen auf öffentlichen Plätzen ist verboten. Schulen sind geschlossen. Nicht einmal auf Pausenhöfen durften Kinder gemeinsam spielen. Das Sport- und Kontaktverbot wirkt wie ein Subventionsprogramm für die digitale Gaming Industrie.
Und was sagen der Sport und die Sportpädagogik dazu?
Der große Sport fügt sich. Ebenso die Sportlehrer- und Sportlehrerinnenschaft. In der Öffentlichkeit ist von den Lobbyisten für Sport und Bewegung eher Schweigen zu hören. Stimmen wie die von Alexander Woll sind die Ausnahme. Zwar gibt es einzelne Initiativen für sportliche Hausaufgaben, Sportlehrerinnen und Sportlehrer, Fitnesstrainerinnen und Fitnesstrainer, Spitzenathletinnen und Spitzenathleten machen Vorschläge für moderne „Zimmergymnastik, wie dasselbe schon im 19. Jahrhundert hieß, seine Fortsetzung in den 1960er-Jahren im Fernsehen bei „Zehn Minuten mit Adalbert Dickhuth fand und heute mit modernen digitalen Möglichkeiten wiederbelebt wird.
Rücksichtnahme auf Kinder
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