1. – 4. Schuljahr

Robert Collette

Eine Neuorientierung

Schwimmen in der Schule
In Zeiten, in denen Schwimmbäder vorrangig als „Spaßbäder genutzt oder dazu umgebaut werden, ist es vielleicht nicht allzu verwunderlich, dass die Schwimmfähigkeit von Kindern im Grundschulalter immer weiter zurückgeht. Da schwimmen zu können, für Kinder aber unter verschiedenen Aspekten von großer Bedeutung ist, müssen Schulen befähigt werden, diesem Trend entgegenzuwirken.
Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) sind 59% der Grundschülerinnen und -schüler nach eigenen Angaben „Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer und ca. 25% der Grundschulen haben keinen Zugang zu einem Schwimmbad (DLRG 2018). Von dieser Entwicklung sind insbesondere Kinder und Jugendliche mit einem niedrigen Sozialstatus und/oder (beidseitigen) Migrationshintergrund betroffen (RKI 2014). Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) erklärt in ihrer „Internationalen Charta für Leibeserziehung und Sport, dass der Sportunterricht an Schulen das wirksamste Mittel ist, um allen Kindern und Jugendlichen die Fertigkeiten, Einstellungen, Werte und das Wissen und Verständnis für eine lebenslange gesellschaftliche Teilhabe am Sport zu vermitteln (KMK 2017). Hieraus leitet sich die besondere Bedeutung gerade der Grundschule ab, möglichst allen Kindern das Schwimmen zu vermitteln, da die meisten Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren schwimmen lernen. Zudem werden gerade die oben erwähnten am stärksten betroffenen Gruppen nur schwierig von außerschulischen Schwimmausbildern (Vereine, DLRG ) erreicht, sodass hier oft die Schule als einziger Vermittler verbleibt. Leider zeigt die Studienlage aber auch, dass das Schwimmen im Lernort „Schule im Vergleich zu anderen Lernorten mit der geringsten Quantität und Qualität gelernt wird (Kurz/Fritz 2006). Dies ist sicherlich zu einem großen Teil den schlechten Rahmenbedingungen und Möglichkeiten insbesondere der Grundschulen geschuldet. Schwimmen ist aber eine motorische Basiskompetenz, die grundlegend für eine aktive Teilhabe an der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur ist und damit ein unverzichtbares Erfahrungsfeld im Entwicklungsprozess ermöglicht (KMK 2017). Dies begründet sich einerseits aus der Notwendigkeit eines sicheren Verhaltens gegenüber der Gefahr des Ertrinkens und andererseits aus dem hohen gesundheitsfördernden und freizeitrelevanten Wert dieses Bewegungsraums. Dieses spiegelt sich auch in der Verankerung des Erwerbs der Schwimmkompetenz in allen Grundschul-Curricula wider (Kels/Stemper 2017).
Allerdings wird die Schwimmkompetenz bzw. „Schwimmen können in den unterschiedlichen Curricula nicht einheitlich definiert, was unter anderem dem Umstand geschuldet ist, dass auch in der Wissenschaft keine eindeutige Definition und Operationalisierung vorherrscht. Daher liegt bisher auch kein sinnvolles Testinstrument vor, was die zum Teil sehr unterschiedlichen Zahlen bzgl. der Schwimmkompetenz erklärt, die sich aus den verschiedenen Methoden (Test, Abfrage Schwimmabzeichen, Selbstauskunft ) und Definitionen ergeben (ebd.).
Aktuelle Handlungsempfehlungen der KMK
Mit den 2017 verabschiedeten Handlungsempfehlungen der Kultusministerkonferenz wird versucht, die aktuelle Entwicklung auf mehreren Ebenen zu beeinflussen.
  • Erstens wird die Bedeutung des Schwimmens im schulischen Kontext deutlich hervorgehoben und gestärkt. Schwimmen ist eine motorische Basiskompetenz, die jeder Mensch erlangen sollte und hierfür ist die Schule das bedeutsamste Instrument, da nur sie in der Lage ist, alle Kinder zu erreichen.
  • Zweitens werden verbindliche Ziele für den Schwimmunterricht vorgegeben und definiert. Das grundlegende Ziel des Schwimmunterrichts in der Primarstufe ist das „sichere Schwimmen und die Beherrschung der damit verbundenen Anforderungen, die in etwa dem deutschen Jugendschwimmabzeichen in Bronze (Sprung ins...

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