1. – 4. Schuljahr

Andrea Menze-Sonneck

Am Boden und hoch in der Luft

Akrobatik vielfältig einsetzen

Die Akrobatik ermöglicht gerade Grundschulkindern differenzierte Bewegungserfahrungen, die ihrem jeweiligen Lernstand entsprechen und die ihnen gleichzeitig ausreichend Möglichkeiten bieten, sich weiterzuentwickeln und auszuprobieren. Dabei spielen Lernprozesse wie Bewegungsgestaltung, Körperwahrnehmung, Verantwortung und Kooperation eine wesentliche Rolle.

Akrobatik als bewegungskulturelle Praxis gehört mittlerweile zu den festen Inhalten des Sportunterrichts und ist bei Schülerinnen und Schülern im Grundschulalter aufgrund der Nähe zum Thema Zirkus in der Regel positiv konnotiert. Akrobatik stellt dabei zunächst einen Sammelbegriff für verschiedene Bewegungskünste dar und ist eng mit dem Gedanken der Präsentation verbunden.
Gerade im Kindesalter bereichert akrobatisches Sich-Bewegen die schulische und außerschulische Bewegungskultur in verschiedenen Bewegungsfeldern. Heranwachsende integrieren Elemente der Akrobatik zum Beispiel zunehmend im Bereich des Wake-, Wave- oder Skateboardfahrens ebenso wie im Bereich des BMX- oder Rollerfahrens. Auch im Tanz sind akrobatische Tricks und Bewegungen nicht mehr wegzudenken.
Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren nicht nur in verschiedenen Casting-Shows im Fernsehen immer wieder jüngere und ältere Heranwachsende ihre Talente im kreativen, akrobatischen Umgang mit dem Körper zeigen, sondern viele Kinder auch eigene Videos produzieren, um ihre Bewegungskünste im Internet auf entsprechenden Plattformen hochzuladen.
Kurz: Akrobatik besitzt sowohl traditionell als auch aktuell einen starken Lebensweltbezug für Kinder und ist damit sowohl im schulischen wie im privaten Bereich von Bedeutung.
Inhalte der Akrobatik
Einem engeren Begriffsverständnis folgend kann Akrobatik in spielerische Formen der Bodenakrobatik, den Pyramidenbau, die Wurf- und Schleuderakrobatik sowie die Trapezakrobatik unterteilt werden (vgl. Ballreich/v. Grabowiecki 1992). Akrobatik umfasst in diesem Sinne sowohl dynamische als auch statische Formen des Sich-Bewegens und eröffnet, in enger Anlehnung an das turnerische Sich-Bewegen, vielfältige Chancen den eigenen Körper in ungewohnten Lagen im Raum zu erfahren, sei es am Boden oder in der Luft.
Akrobatik wird entweder allein oder zusammen mit einem oder mehreren Partnern ausgeführt. Nach einem weiteren Begriffsverständnis können außerdem Formen der Äquilibristik (z.B. Leiterakrobatik, Rollbrett-Balance, Einradfahren, Drahtseilbalance oder Stelzenlaufen) zum Bewegungsfeld Akrobatik gezählt werden. Zudem stehen sogenannte „Handgeschicklichkeiten (ebd.) wie Jonglage, Bänderschwingen, Tellerdrehen oder Diabolo in enger Nähe zur Akrobatik, da hier Geräte, Gegenstände oder Materialien auf ungewöhnliche, motorisch anspruchsvolle Weise im Raum bewegt werden. Zusammen lassen sich die genannten Bereiche den Bewegungs- oder Zirkuskünsten zuordnen (Ballreich/v. Grabowiecki 1992, Blume 2006, Kuhn/Ganslmeier 2003, Pollähne/Reth-Scholten 2007).
Die für alle Bereiche der Akrobatik typischen hohen koordinativen und konditionellen motorischen Anforderungen sollten im Grundschulsport aber klar in Richtung der koordinativen Anforderungen verschoben sein.
Zur pädagogischen Bedeutung
Ausgehend von der oben dargestellten inhaltlichen Systematik kann Akrobatik im Sportunterricht sehr vielfältige Formen des Sich-Bewegens aufgreifen oder sogar noch durch weitere eventuell auch selbst entwickelte inhaltsaffine Bereiche ergänzt werden. Akrobatik kann auf diese Weise der Heterogenität in Schulklassen in besonderer Weise gerecht werden. Die unterschiedlichen Bereiche der Akrobatik können entweder im Sinne der inneren Differenzierung im Rahmen eines Unterrichtsvorhabens inhaltsdifferent erarbeitet werden oder es kann gemeinsam überlegt werden, welcher Bereich der Akrobatik von allen Lernenden gemeinsam im Rahmen eines Unterrichtsvorhabens umgesetzt werden...

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